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In die letzte Runde ging heuer die ‚alternative Stadtrundfahrt’, die der jetzige Seniorenbeirat der Stadt noch von seinem Vorgängergremium übernommen hatte. Wie in all den Vorjahren ging es darum, Kissinger Senioren die zur Kernstadt gehörenden Stadtteile vorzustellen, denn längst nicht jeder Kissinger Einwohner weiß, welche früher selbständigen Gemeinden dazugehören. Mit Albertshausen und Poppenroth wurde nun heuer der Reigen geschlossen.
Auch in diesem Jahr war das Interesse – trotz mehrerer zeitgleich stattfindenden Veranstaltun-gen aus Gruppen des Seniorenbeirats – sehr groß. Etwa 80 Teilnehmer/innen machten sich auf in die beiden am weitesten von der Kernstadt entfernten Stadtteile. Erstaunlich übrigens, dass diesmal nicht nur Neubürger, sondern auch viele ‚Kernstädter’ unter den Besuchern waren.
Im Vorfeld hatten natürlich Mitglieder der Arbeitskreise 1 und 4 (Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungen) des SBR mit den Partnern in den beiden Stadtteilen den Ablauf geplant, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Um den Interessenten lange Fußwege zu ersparen, wurden viele Zustiegsstellen eingerichtet.
Erstes Ziel war dann Albertshausen, wo Albin Markert von der Pfarrgemeinde die Besucher,
die vorher noch eine kleine Rundfahrt durch den schmucken Ort gemacht hatten, bereits an der Kirche erwartete. Ortssprecher Klaus Zehe konnte leider aus beruflichen Gründen nicht dabei sein. Auch Poppenrother Bürger waren zur Gruppe gestoßen und wollten sich die Informatio-
nen nicht entgehen lassen.
Bereits 1286 soll der Ort als Teil der Pfarrei Bad Kissingen (Landkapitel Münnerstadt) erwähnt worden sein. Auf jeden Fall gab es etwa um diese Zeit eine Maternus-Wallfahrtskapelle in dem Ort Alparshusen. Markert berichtete weiter, dass diese ländliche Gemeinde als Pfarrei zu Strals bach und dann wieder zu Oberthulba gehörte, ehe sie 1615 eine eigene Kirche bekam. Er be-richtete auch von Hutrechtsstreitigkeiten mit den umliegenden Ortschaften. Im Jahre 1972 war geplant, die Gemeinde im Zuge der Gemeindegebietsreform mit Oberthulba zu verschmelzen. Das aber wollten die Bewohner nicht, sie gaben dem Zusammenschluß mit Bad Kissingen den Vorzug. Dadurch bekam der Ort ein Industriegebiet, konnte sich aber später gegen die Auswei-
sung eines weiteren Industriegebietes wehren.
Natürlich hörten die Besucher auch vom wohl berühmtesten Sohn des Ortes, von Fried (Fried-rich) Heuler, der 1889 hier als Sohn des Lehrers im Schul- und Lehrerhaus zur Welt kam. Er war Bildhauer und Grafiker und starb 1959 in Würzburg, Hier findet man auch viele Werke von ihm, so z.B. den ‚Postreiter’ am Paradeplatz und viele andere Mahnmale. Dass die Albertshäuser auf diesen Mitbürger sehr stolz sind, ist verständlich.
In der St.Michaels-Kirche gab Markert dann Informationen zu diesem Bauwerk. Bischof Julius Echter hatte den ersten Bau verfügt, daran erinnert auch die ‚Echterspitze’ Später musste wegen Baufälligkeit eine neue Kirche errichtet werden, die jedoch bis 1968 unverändert bestand. Erst danach wurden wieder Änderungen vorgenommen. Markert lud zum Wiederkommen ein, denn natürlich gibt es noch weitere sehenswerte Dinge im Ort, z.B. den von Valentin Weidner geschaffenen Kreuzweg in der Nähe der Bildeiche.
Der Vorsitzende des Seniorenbeirats, Hans-Peter Kreutzberg, bedankte sich im Namen der Gäste bei Albin Markert sehr herzlich für die interessanten Informationen.
Nur kurz war dann die Fahrt nach Poppenroth, die Zeit nutzte jedoch Günter Wolf, der selbst das Steuer seines Busses übernommen hatte, um den Besuchern die Umgebung zu erklären. Am Stationswäldchen standen bereits die Stadträte Bernhard Schlereth und Klaus Bollwein sowie Frau Christa Goll, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, zur Übernahme der Gruppe bereit. Bei den Erklärungen zum Ort wechselten sich die beiden Stadträte ab.
In diesem Wäldchen in der Nähe des neuen Friedhofs haben die alten Kissinger Kreuzwegstatio-nen ihren Platz gefunden. ‚Schuld’ daran war Katharina Pfrang, die „Nunna Kät“(Nonne Katha-rina), die nach ihrem krankheitsbedingten Ausscheiden aus dem Kloster von diesen Stationen hörte und dafür sorgte, dass sie hier einen würdigen Platz fanden. Ein wunderschönes Eckchen ist das, denn von hier aus kann man weit über Felder und Wälder bis hinauf zur Rhön schauen. Zum Stationsweg wallen die Poppenröther auch heute noch mehrmals im Jahr in feierlicher Prozession.
Weiter ging es zum alten Friedhof dieses höchstgelegenen Stadtteils von Bad Kissingen,
der jetzt zu einem kleinen Park umgestaltet wurde. Hier erfuhren die Gäste, dass ‚Boppenrode’ 1286 erstmals erwähnt wurde. der Name weist auf eine Rodung des Poppo hin und man weiß, dass dieser Vorname bei den Grafen von Henneberg sehr oft vorkommt. Weiter wurde von Zwistigkeiten mit umliegenden Gemeinden sowohl auf weltlichem als auch auf kirchlichem Gebiet erzählt. Als von den Schlimpfhofern die Rede war, die für Weiderechte in der Poppen-rother Gemarkung jährlich 32 Laib Brot und 14 Pfund Käse zu liefern hatten, war in der Runde viel Schmunzeln zu erkennen, das in fröhliches Lachen überging als man hörte, dass alles gleich vor Ort verzehrt wurde. Leider fand der Brauch 1806 ein Ende.
Anfangs sollen im Ort nur 2-3 Familien gelebt haben, im Jahre 1547 sind es dann schon 23 Familien und 1934 sind 86 Familien mit 451 Personen vermerkt. Die Besucher hörten noch viele interessante Begebenheiten, wobei der Bericht über die Brandkatastrophe am 13. Mai 1934 natürlich besonders interessant war. Sehr anschaulich hatte der damalige Lehrer diesen Tag beschrieben, an dem innerhalb von 2 Stunden 16 Anwesen und 22 Scheunen abbrannten, also praktisch das ganze Dorf vernichtet wurde. Natürlich wurde auch von der Hilfe der umliegenden Dörfer erzählt, die schließlich zur Entstehung des neuen Dorfes geführt hat.Für all diese Informationen zeigte sich sogar Petrus interessiert, deshalb ließ er mehrfach nur kurzfristigen Regen zu.
Endpunkt war dann in der Kirche. 1793 war die Kirchengemeinde selbständig geworden, die St. Ulrich-Kirche ist heute noch da und eine Besonderheit ist es ganz sicher, dass Pfarrer Georg Bleymann 52 Jahre lang an dieser Kirche wirkte und einige im Dorf ihn noch kannten!
Zufrieden und voller Informationen machten sich die Senioren dann zum Kaffeetrinken auf den Weg in das Pfarrheim, wo Frau Goll mit ihren Helferinnen die Tische liebevoll gedeckt hatte. Kaum jemand merkte, dass sie mit ihren Frauen seit der Ankunft der Kissinger Gruppe wahre Wunder vollbracht hatte. Das Pfarrheim fasst eigentlich nur ca. 55 Personen. Die Besucherzahl war jedoch viel größer als geplant und so mussten aus der Nachbarschaft Tische und Bänke, ja sogar Geschirr herbeigeschafft werden, um alle bewirten zu können. Letztendlich fanden jedoch
alle einen Platz und konnten sich den leckeren Kuchen, der von der Frauen der beiden Stadtteile gebacken worden war, schmecken lassen.
Auch Oberbürgermeister Kay Blankenburg sowie die Seniorenbeauftragte der Stadt, Frau Dr. Brigitte Albert, waren ins Pfarrheim gekommen und konnten sich von der Zufriedenheit der Teilnehmer überzeugen.
Hans-Peter Kreutzberg gab nochmals seiner Freude Ausdruck, dass alles so gut vorbereitet wurde und dankte den ‚Machern’ Schlereth, Bollwein, Markert und Frau Goll herzlich für die große Mühe, die sie sich gemacht hatten. Sein Dank galt auch den Bäckerinnen, allen, die die Bewir-tung übernommen hatten sowie Werner Schießer und Klaus Zehe, die im Vorfeld mitgewirkt hatten. Der Vorsitzende wies darauf hin, dass die Beiratsmitglieder Lob und Kritik zu unter-schiedlichen Problemen in der Stadt entgegennehmen und ggf. Anliegen an den Stadtrat weiter-geben werden.
Mit dieser Stadtrundfahrt fand die Vorstellungsrunde der Stadtteile ihr Ende. Dass sie großen Anklang gefunden hatten, merkte man an den Kommentaren der TeilnehmerInnen bei der Rückfahrt im Bus. Natürlich wird es auch in Zukunft ähnliche Informationen durch den Seniorenbeirat geben, die Weichen dafür werden bereits in der nächsten Plenumssitzung Ende Juni gestellt.
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