Wer feiert Gottesdienst?

Was für eine Frage – natürlich der Pfarrer! Der Pfarrer hält seinen Gottesdienst – die Gemeinde hört zu; im besten Fall feiert sie mit.

Das, liebe Gemeindemitglieder, war der Stand des Bewußtseins vor dem Konzil. Bei vielen, die der Kirche fernstehen, ist er es noch heute. Traurig, wenn auch aktive Gemeindemitglieder bei diesem Bewußtseinsstand stehengeblieben sind!

Das alte Meßbuch Pius V., das von 1570-1970 in Geltung war, begann mit den Worten: „Sacerdos celebraturus missam“ – „Der Priester, der die Messe feiern will“. Das Meßbuch Pauls VI. von 1970 beginnt seine Einführung ganz anders; dort heißt es: „Populo congregato“ – „die Gemeinde versammelt sich.“ So geben schon die ersten Sätze der beiden Meßbücher Zeugnis von einer entscheidenden Wandlung im Verständnis von Gottesdienst und Gemeinde:

Den Gottesdienst feiert nicht der Priester, sondern die ganze Gemeinde! Genauer: die strukturierte Gemeinde, die vom Heiligen Geist mit vielfältigen Diensten und Charismen ausgestattete Gemeinde. Noch genauer: Der dreifaltige Gott selber feiert mit uns sein Fest. „Gott ruft sein Volk zusammen“, singen wir dementsprechend.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat die Kirche, so könnte man etwas flapsig sagen, wieder vom Kopf auf die Füße gestellt. Dabei ist in der Folgezeit, wie bei jedem Pendelausschlag, sicher auch manches übertrieben worden: Kirche ist kein Verein, der sich selbst erschafft und sich selbst organisiert; Kirche ist immer nur Kirche, wenn klar ist: Nicht wir machen etwas, sondern Gott macht etwas mit uns. Aber einzelne Fehlentwicklungen können die bleibende Bedeutung der Kirchenreform, die vom Konzil angestoßen wurde, nicht verdunkeln:

Wenn wir diese Grundsätze auf die momentane Situation unserer Diözese etwas konkretisieren, bedeutet das zum Beispiel:

Wenn eine Gemeinde sich nur dann zum Gottesdienst versammelt, wenn dieser Gottesdienst von einem Priester geleitet wird, zeigt sie damit in erschreckender Weise, wie arm und leer sie geworden ist. Wie könnte ein Christ mit einer lebendigen Gottesbeziehung Gott nicht sein Lob singen wollen? Wie könnte er seine Berufung zum gemeinsamen Priestertum vergessen? Wie könnte er sein Glaubensleben in solch erbärmliche Abhängigkeiten bringen?

Unsere Pfarreiengemeinschaft hat zudem zwei bischöflich beauftragte Gottesdienstleiter (Herrn Albin Markert und Herrn Michael Böhm). Wenn diese einen Gottesdienst leiten, so ist dies nicht deren Veranstaltung, sondern immer Gemeindeveranstaltung; hier übt die Gemeinde ihren priesterlichen Dienst aus, hier stellt sie sich in die Gegenwart Gottes, preist ihn für sein Wirken in der Welt und dankt für Schöpfung und Erlösung. Deshalb soll es nach den deutschen Bischöfen „ein wichtiges Ziel jeder Pfarrgemeinde sein, daß täglich zumindest ein gemeinschaftlicher Gottesdienst in jeder Kirche gefeiert wird. Auch wenn dabei nur eine kleine Schar zusammenkommt, so hält diese Gottesdienstgemeinde doch stellvertretend für die ganze Gemeinde in Erinnerung, daß die Kirche nicht aus ihrem eigenen Tun heraus lebt, sondern aus ihrer Verbindung mit Christus und dem Vater.“ (Die deutschen Bischöfe, Nr. 74)

Edwin Ziegler, Pfarrer

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